Was passiert mit Ihrer Familie, wenn Ihnen etwas zustößt? Eine Risikolebensversicherung sichert Ihre Angehörigen im Todesfall finanziell ab — und kostet deutlich weniger, als die meisten Menschen denken. Für wenige Euro im Monat können Sie Ihre Familie vor dem finanziellen Ruin schützen. In diesem Ratgeber erfahren Sie alles, was Sie über die Risikolebensversicherung wissen müssen.
Was ist eine Risikolebensversicherung?
Die Risikolebensversicherung (RLV) ist eine reine Todesfallversicherung. Sie zahlt eine vereinbarte Summe an die Hinterbliebenen aus, wenn die versicherte Person während der Vertragslaufzeit stirbt. Überlebt die versicherte Person die Laufzeit, verfällt der Versicherungsschutz — es gibt keine Auszahlung.
Risikolebensversicherung vs. Kapitallebensversicherung
| Merkmal | Risikolebensversicherung | Kapitallebensversicherung |
|---|---|---|
| Zweck | Reine Hinterbliebenenabsicherung | Absicherung + Sparprodukt |
| Auszahlung bei Tod | Versicherungssumme an Hinterbliebene | Versicherungssumme an Hinterbliebene |
| Auszahlung bei Ablauf | Keine | Angespartes Kapital + Überschüsse |
| Monatlicher Beitrag (200.000 €, 30 J., Nichtraucher) | 10–25 € | 150–300 € |
| Rendite | Keine (reiner Schutz) | Sehr niedrig (oft unter 2 % p.a.) |
| Empfehlung | Ja, bester Hinterbliebenenschutz | Nein, als Sparprodukt ungeeignet |
Tipp: Die Kapitallebensversicherung wird seit Jahren von Verbraucherschützern kritisiert. Als Sparprodukt bietet sie eine schlechte Rendite, und der Versicherungsschutz ist deutlich teurer als bei einer reinen Risikolebensversicherung. Trennen Sie Sparen und Versichern.
Wer braucht eine Risikolebensversicherung?
Eine RLV ist besonders wichtig für:
Familien mit Kindern
Wenn ein Elternteil stirbt, fehlt nicht nur ein Einkommen — auch die Betreuung der Kinder muss organisiert werden. Die Witwen-/Witwerrente der gesetzlichen Rentenversicherung reicht in den meisten Fällen nicht aus, um den Lebensstandard zu halten.
Rechenbeispiel: Eine Familie mit zwei Kindern hat monatliche Fixkosten von 3.000 Euro. Der Hauptverdiener stirbt. Die Witwerrente beträgt ca. 800 Euro, das Kindergeld 500 Euro. Es fehlen 1.700 Euro pro Monat — über 15 Jahre bis zur Volljährigkeit der Kinder sind das 306.000 Euro.
Immobilienbesitzer mit Kredit
Wer einen Immobilienkredit abbezahlt, sollte die Restschuld absichern. Stirbt der Kreditnehmer, muss die Familie den Kredit weiter bedienen — oder das Haus verkaufen.
Alleinverdiener-Paare
Wenn ein Partner nicht arbeitet (z. B. wegen Kinderbetreuung), ist das Einkommen des anderen Partners existenziell. Eine RLV sichert diese Abhängigkeit ab.
Geschäftspartner
In Unternehmen mit mehreren Gesellschaftern sichert eine Risikolebensversicherung die Handlungsfähigkeit, wenn ein Partner stirbt. Die Versicherungssumme kann verwendet werden, um den Firmenanteil des Verstorbenen zu übernehmen.
Wie hoch sollte die Versicherungssumme sein?
Die richtige Versicherungssumme hängt von Ihrer individuellen Situation ab. Als Faustregel gilt:
Versicherungssumme = 3–5 Jahresbruttogehälter
Detaillierte Berechnung
| Faktor | Berechnung | Beispiel |
|---|---|---|
| Einkommenslücke pro Monat | Netto − Witwen/Witwerrente − Kindergeld | 3.500 − 900 − 500 = 2.100 € |
| Absicherungsdauer | Bis Kinder selbstständig sind (ca. 20 Jahre) | 20 Jahre |
| Einkommenslücke gesamt | 2.100 € × 12 × 20 | 504.000 € |
| Restschuld Immobilienkredit | Aktueller Stand | 180.000 € |
| Bestattungskosten | Durchschnitt | 8.000 € |
| Abzüglich Ersparnisse | Vorhandenes Vermögen | −50.000 € |
| Empfohlene Versicherungssumme | 642.000 € |
In der Praxis wählen die meisten Familien eine Versicherungssumme zwischen 200.000 und 500.000 Euro.
Tipp: Lieber etwas höher absichern als zu niedrig. Der Unterschied im monatlichen Beitrag ist oft gering — 100.000 Euro mehr Versicherungssumme kosten typischerweise nur 5–10 Euro mehr pro Monat.
Was kostet eine Risikolebensversicherung?
Die Beiträge hängen von mehreren Faktoren ab:
Einflussfaktoren auf den Beitrag
| Faktor | Einfluss auf den Beitrag |
|---|---|
| Alter bei Vertragsabschluss | Je jünger, desto günstiger |
| Versicherungssumme | Höhere Summe = höherer Beitrag |
| Laufzeit | Längere Laufzeit = höherer Beitrag |
| Raucher/Nichtraucher | Raucher zahlen 50–100 % mehr |
| Gesundheitszustand | Vorerkrankungen erhöhen den Beitrag |
| Beruf | Risikoberufe (z. B. Dachdecker) zahlen mehr |
| Gefährliche Hobbys | Fallschirmspringen, Tauchen etc. erhöhen den Beitrag |
Beispielbeiträge (Nichtraucher, Bürotätigkeit, guter Gesundheitszustand)
| Alter | Versicherungssumme | Laufzeit | Monatlicher Beitrag |
|---|---|---|---|
| 30 Jahre | 200.000 € | 25 Jahre | 8–15 € |
| 30 Jahre | 400.000 € | 25 Jahre | 14–25 € |
| 35 Jahre | 200.000 € | 20 Jahre | 9–17 € |
| 35 Jahre | 300.000 € | 25 Jahre | 14–24 € |
| 40 Jahre | 200.000 € | 20 Jahre | 14–25 € |
| 40 Jahre | 400.000 € | 20 Jahre | 25–45 € |
Wie die Tabelle zeigt: Eine Risikolebensversicherung ist überraschend günstig. Für 10–25 Euro im Monat erhalten Sie einen Schutz von 200.000–400.000 Euro.
Konstante vs. fallende Versicherungssumme
Konstante Versicherungssumme
Die Versicherungssumme bleibt über die gesamte Laufzeit gleich. Ideal für die allgemeine Familienabsicherung.
Fallende Versicherungssumme
Die Versicherungssumme sinkt über die Laufzeit — parallel zur Restschuld eines Kredits. Diese Variante ist 10–30 % günstiger und eignet sich speziell zur Absicherung eines Immobilienkredits.
| Jahr | Restschuld Kredit | Fallende VS | Konstante VS |
|---|---|---|---|
| 1 | 250.000 € | 250.000 € | 250.000 € |
| 5 | 210.000 € | 210.000 € | 250.000 € |
| 10 | 160.000 € | 160.000 € | 250.000 € |
| 15 | 100.000 € | 100.000 € | 250.000 € |
| 20 | 30.000 € | 30.000 € | 250.000 € |
Tipp: Wenn Sie sowohl eine Familie absichern als auch einen Kredit haben, kombinieren Sie zwei Policen: Eine mit fallender Summe für den Kredit und eine mit konstanter Summe für die Familie. Das ist günstiger als eine einzelne hohe konstante Police.
Worauf Sie beim Abschluss achten sollten
1. Gesundheitsfragen ehrlich beantworten
Die Gesundheitsfragen im Antrag müssen wahrheitsgemäß beantwortet werden. Falsche Angaben können dazu führen, dass die Versicherung im Todesfall die Zahlung verweigert. Typische Fragen betreffen:
- Chronische Erkrankungen
- Psychische Behandlungen
- Krankenhausaufenthalte der letzten 5–10 Jahre
- BMI, Raucherstatus
- Einnahme regelmäßiger Medikamente
2. Nachversicherungsgarantie
Eine gute RLV enthält eine Nachversicherungsgarantie: Bei bestimmten Lebensereignissen (Heirat, Geburt eines Kindes, Immobilienkauf) können Sie die Versicherungssumme ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen. Das ist besonders wertvoll, wenn sich Ihre Lebenssituation ändert.
3. Überschussbeteiligung
Manche Versicherer bieten eine Überschussbeteiligung an: Wenn weniger Versicherungsfälle eintreten als kalkuliert, erhalten Sie einen Teil der Beiträge zurück. Das senkt die effektiven Kosten um 10–30 %.
4. Verlängerungsoption
Eine Verlängerungsoption erlaubt es Ihnen, den Vertrag am Ende der Laufzeit ohne erneute Gesundheitsprüfung zu verlängern — allerdings zu einem dann höheren Beitrag.
Risikolebensversicherung und Steuern
- Beiträge: Können als Vorsorgeaufwendungen in der Steuererklärung geltend gemacht werden (begrenzt durch Höchstbeträge).
- Auszahlung im Todesfall: Die Versicherungssumme ist einkommensteuerfrei. Es kann jedoch Erbschaftsteuer anfallen, wenn die Summe den Freibetrag übersteigt.
Tipp: Um Erbschaftsteuer zu vermeiden, sollte der Begünstigte (z. B. der Ehepartner) gleichzeitig der Versicherungsnehmer sein. So fällt die Versicherungssumme nicht in den Nachlass, sondern ist eine Leistung aus eigenem Vertrag.
Häufige Fehler vermeiden
- Zu niedrige Versicherungssumme: Rechnen Sie lieber großzügig. Die Mehrkosten sind gering.
- Zu kurze Laufzeit: Die Laufzeit sollte mindestens bis zur wirtschaftlichen Selbstständigkeit der Kinder reichen.
- Nur einen Partner versichern: Auch wenn ein Partner weniger verdient — die Betreuungsleistung hat einen finanziellen Wert. Sichern Sie beide Partner ab.
- Kapitallebensversicherung statt RLV wählen: Trennen Sie Versicherung und Geldanlage.
- Vergleich versäumen: Die Beiträge unterscheiden sich je nach Anbieter erheblich — bis zu 50 %.
Weitere Informationen zu wichtigen Versicherungen finden Sie in unserer Versicherungs-Rubrik.
Fazit
Die Risikolebensversicherung ist eine der wichtigsten und gleichzeitig günstigsten Versicherungen für Familien. Für 10–25 Euro im Monat sichern Sie Ihre Angehörigen mit mehreren hunderttausend Euro ab. Schließen Sie die Versicherung möglichst jung ab, beantworten Sie die Gesundheitsfragen ehrlich und wählen Sie eine ausreichend hohe Versicherungssumme. Ihre Familie wird es Ihnen danken.