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Unfallversicherung: Sinnvoller Schutz für den Alltag

Redaktionsteam

6 Min. Lesezeit

Über 70 Prozent aller Unfälle passieren in der Freizeit oder im Haushalt — also genau dort, wo die gesetzliche Unfallversicherung nicht greift. Eine private Unfallversicherung kann diese Lücke schließen und Sie vor den finanziellen Folgen eines schweren Unfalls schützen. Doch für wen ist sie wirklich sinnvoll, was sollte sie leisten und worauf müssen Sie beim Abschluss achten? Dieser Ratgeber gibt Ihnen alle Antworten.

Gesetzliche vs. private Unfallversicherung

Viele Menschen glauben, sie seien über die gesetzliche Unfallversicherung rundum geschützt. Das ist ein Irrtum. Die gesetzliche Unfallversicherung hat einen sehr eingeschränkten Geltungsbereich:

Gesetzliche Unfallversicherung Private Unfallversicherung
Wann? Nur bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten Rund um die Uhr, weltweit
Wo? Am Arbeitsplatz und auf dem Arbeitsweg Überall (Freizeit, Haushalt, Sport, Urlaub)
Für wen? Arbeitnehmer, Schüler, Studenten Jeder (individueller Vertrag)
Leistung Heilbehandlung, Rehabilitation, Rente Einmalzahlung (Invalidität), ggf. Rente, Tagegeld
Kosten Arbeitgeber zahlt Versicherungsnehmer zahlt

Wichtig: Hausfrauen und Hausmänner, Selbstständige, Rentner und Kinder sind durch die gesetzliche Unfallversicherung oft gar nicht oder nur eingeschränkt geschützt. Für diese Personengruppen ist eine private Unfallversicherung besonders wichtig.

Wann leistet die private Unfallversicherung?

Die private Unfallversicherung leistet, wenn durch ein plötzliches, von außen auf den Körper wirkendes Ereignis (Unfall) eine dauerhafte Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit (Invalidität) eintritt.

Typische versicherte Unfälle

  • Stürze (Treppe, Leiter, beim Sport)
  • Verkehrsunfälle (als Fußgänger, Radfahrer, Autoinsasse)
  • Sportunfälle (Skifahren, Fußball, Wandern)
  • Unfälle im Haushalt (Schnittverletzungen, Verbrennungen)
  • Unfälle im Garten (Leiterstürze, Werkzeugunfälle)

Nicht versichert (Standardtarif)

  • Krankheiten (auch wenn sie unfallbedingt ausgelöst werden)
  • Unfälle unter Alkohol- oder Drogeneinfluss (je nach Tarif)
  • Unfälle bei Kriegshandlungen
  • Bandscheibenvorfälle (sofern nicht unfallbedingt)
  • Infektionen (in besseren Tarifen eingeschlossen)

Die wichtigsten Leistungsarten

1. Invaliditätsleistung (Kernleistung)

Die Invaliditätsleistung ist das Herzstück der Unfallversicherung. Sie wird als Einmalzahlung ausgezahlt, wenn nach einem Unfall eine dauerhafte Beeinträchtigung festgestellt wird. Die Höhe richtet sich nach dem Grad der Invalidität und der vereinbarten Versicherungssumme.

Gliedertaxe: Was ist wie viel wert?

Die Gliedertaxe legt fest, welchem Invaliditätsgrad der Verlust oder die vollständige Funktionsunfähigkeit bestimmter Körperteile entspricht:

Körperteil / Sinnesorgan Standard-Gliedertaxe Verbesserte Gliedertaxe
Arm 70 % 80 %
Hand 55 % 75 %
Daumen 20 % 30 %
Zeigefinger 10 % 15 %
Bein 70 % 80 %
Fuß 40 % 50 %
Auge 50 % 60 %
Gehör (ein Ohr) 30 % 40 %
Geruchssinn 10 % 15 %

Spartipp: Achten Sie auf eine verbesserte Gliedertaxe — sie kostet nur wenig mehr, zahlt aber im Schadensfall deutlich höhere Leistungen. Die Standardgliedertaxe ist bei vielen Versicherern veraltet und zu niedrig angesetzt.

2. Progression

Die Progression erhöht die Auszahlung bei hohen Invaliditätsgraden überproportional. Das ist besonders wichtig, da schwere Unfälle die höchsten Kosten verursachen.

Beispielrechnung mit 100.000 € Grundsumme

Invaliditätsgrad Ohne Progression 225 % Progression 350 % Progression
25 % 25.000 € 25.000 € 25.000 €
50 % 50.000 € 62.500 € 75.000 €
75 % 75.000 € 131.250 € 193.750 €
100 % 100.000 € 225.000 € 350.000 €

Wie Sie sehen, macht die Progression bei hohen Invaliditätsgraden einen enormen Unterschied. Eine Grundsumme von 100.000 Euro mit 350 Prozent Progression bietet bei Vollinvalidität 350.000 Euro — ohne Progression wären es nur 100.000 Euro.

3. Unfallrente

Eine monatliche Rente ab einem bestimmten Invaliditätsgrad (meist ab 50 Prozent). Sie ist sinnvoll als Ergänzung zur Invaliditätsleistung, um laufende Kosten zu decken.

4. Tagegeld / Krankenhaustagegeld

  • Unfall-Tagegeld: Tägliche Zahlung bei unfallbedingter Arbeitsunfähigkeit (häufig ab dem 8. Tag)
  • Krankenhaustagegeld: Tägliche Zahlung bei stationärem Aufenthalt (typisch: 20–50 Euro)

5. Todesfallleistung

Eine Einmalzahlung an die Hinterbliebenen bei unfallbedingtem Tod. Die Summe sollte mindestens 10.000–20.000 Euro betragen, um die Bestattungskosten zu decken.

Was sollte die Versicherung kosten?

Die Kosten einer privaten Unfallversicherung hängen von den vereinbarten Leistungen, dem Alter und dem Beruf ab:

Preisbeispiele (monatlich)

Leistungsniveau Grundsumme Progression Monatsbeitrag
Basis 50.000 € Ohne 5–10 €
Empfohlen 100.000 € 225 % 12–25 €
Premium 150.000 € 350 % 20–40 €
Premium Plus (mit Rente) 150.000 € + 500 €/Monat Rente 350 % 30–60 €

Spartipp: Investieren Sie lieber in eine höhere Progression als in eine höhere Grundsumme. Die Progression kostet nur wenig mehr, zahlt sich aber bei schweren Unfällen überproportional aus.

Für wen ist die Unfallversicherung sinnvoll?

Besonders empfehlenswert für:

  • Kinder: Haben keinen gesetzlichen Unfallschutz in der Freizeit, sind aber besonders unfallgefährdet
  • Hausfrauen/-männer: Kein Schutz durch gesetzliche Unfallversicherung
  • Selbstständige: Oft nicht gesetzlich unfallversichert
  • Rentner: Gesetzlicher Unfallschutz entfällt mit dem Ruhestand
  • Sportler: Hohes Unfallrisiko in der Freizeit
  • Handwerker und körperlich Tätige: Höheres Unfallrisiko

Weniger dringend für:

  • Angestellte mit guter BU-Versicherung (die BU deckt allerdings nur Einkommensverlust, keine Einmalleistung bei Invalidität)
  • Personen mit sehr hohem Vermögen, die Unfallfolgen selbst tragen können

Worauf Sie beim Abschluss achten sollten

1. Ausreichende Invaliditätssumme

Die Grundsumme sollte mindestens dem zwei- bis dreifachen Bruttojahreseinkommen entsprechen. Mit einer Progression von 225–350 Prozent ergibt sich eine angemessene Absicherung bei schweren Unfällen.

2. Verbesserte Gliedertaxe

Wie oben gezeigt, zahlt eine verbesserte Gliedertaxe bei jedem Körperteil höhere Leistungen. Ein wichtiges Qualitätsmerkmal.

3. Mitwirkungsanteil

Wenn Vorerkrankungen an den Unfallfolgen mitwirken, kann die Leistung gekürzt werden. Gute Tarife berücksichtigen Vorerkrankungen erst ab einem Mitwirkungsanteil von 50 Prozent (Standard: 25 Prozent).

4. Erweiterter Unfallbegriff

Gute Tarife versichern auch:

  • Infektionen durch Zeckenbiss, Insektenstiche
  • Vergiftungen durch Nahrungsmittel und Gase
  • Eigenbewegungen (z. B. Umknicken ohne äußere Einwirkung)
  • Ertrinken, Ersticken
  • Unfälle durch Bewusstseinsstörungen (z. B. Herzinfarkt am Steuer)

5. Alkoholklausel

Achten Sie auf die Regelung bei Unfällen unter Alkoholeinfluss. Moderne Tarife versichern Unfälle bis zu einer Blutalkoholkonzentration von 1,1 Promille.

Häufige Fehler vermeiden

Fehler 1: Zu niedrige Versicherungssumme

Eine Grundsumme von 20.000 oder 30.000 Euro klingt nach viel Geld, reicht aber bei schwerer Invalidität bei Weitem nicht aus. Eine Querschnittslähmung oder der Verlust einer Hand erfordert oft einen sechsstelligen Betrag für Umbaumaßnahmen, Hilfsmittel und Einkommensausfall.

Fehler 2: Keine Progression

Ohne Progression zahlt die Versicherung bei 50 Prozent Invalidität nur 50 Prozent der Grundsumme — bei schweren Unfällen reicht das selten.

Fehler 3: Verwechslung mit BU

Die Unfallversicherung ersetzt keine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Die BU leistet bei Krankheit und Unfall, die Unfallversicherung nur bei Unfällen. Ideal ist die Kombination beider Versicherungen.

Fehler 4: Kinder nicht versichern

Kinder sind in der Freizeit nicht gesetzlich unfallversichert und besonders aktiv. Eine Kinderunfallversicherung kostet nur 3–8 Euro im Monat und bietet wichtigen Schutz.

Spartipp: Familientarife bieten oft günstigere Konditionen als Einzelverträge. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Versicherer nach Familienrabatten.

Weitere Informationen zu sinnvollen Versicherungen finden Sie in unserem Versicherungs-Ratgeber.

Fazit

Die private Unfallversicherung ist eine sinnvolle Absicherung für die finanziellen Folgen schwerer Unfälle in der Freizeit und im Haushalt. Sie ergänzt die gesetzliche Unfallversicherung und schließt eine wichtige Versorgungslücke. Achten Sie beim Abschluss auf eine ausreichende Grundsumme (mindestens 100.000 Euro), eine Progression von mindestens 225 Prozent, eine verbesserte Gliedertaxe und einen erweiterten Unfallbegriff. Die Kosten von 12–25 Euro pro Monat für einen guten Tarif stehen in keinem Verhältnis zu den möglichen finanziellen Folgen eines schweren Unfalls. Besonders für Kinder, Hausfrauen/-männer und Selbstständige ist die Unfallversicherung nahezu unverzichtbar.

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