Warum sich die Steuererklärung fast immer lohnt
Im Durchschnitt bekommen Arbeitnehmer 1.063 Euro vom Finanzamt zurück — und trotzdem verzichten viele darauf. Der Grund: Die Steuererklärung erscheint kompliziert. Mit den richtigen Tools ist sie aber in 30 bis 60 Minuten erledigt.
Seit 2019 haben Sie sogar 4 Jahre Zeit für die freiwillige Abgabe. Das heißt: Auch die Steuererklärung für 2023 können Sie noch bis Ende 2027 einreichen.
Die besten kostenlosen Tools
ELSTER — Das offizielle Finanzamt-Portal
Mein ELSTER (elster.de) ist die kostenlose Software der Finanzverwaltung. Sie ist komplett gratis und wird direkt ans Finanzamt übermittelt.
- Vorteile: Komplett kostenlos, offizielle Schnittstelle, Datenübernahme aus Vorjahren, vorausgefüllte Steuererklärung (VaSt)
- Nachteile: Wenig Hilfe bei der Eingabe, keine Tipps zur Steueroptimierung, Oberfläche etwas altbacken
- Für wen: Erfahrene Nutzer, einfache Steuerfälle
WISO Steuer (Testversion)
WISO Steuer bietet eine kostenlose Testversion, mit der Sie Ihre Steuererklärung komplett ausfüllen und die erwartete Erstattung berechnen können. Erst für die Abgabe zahlen Sie.
- Vorteile: Intuitive Benutzerführung, viele Steuertipps, automatische Plausibilitätsprüfung
- Kosten: Ca. 35 € für die Abgabe (Web-Version günstiger)
- Für wen: Einsteiger und alle, die Tipps zur Optimierung wollen
Taxfix — Per App in 22 Minuten
Taxfix führt Sie per Frage-Antwort-System durch die Steuererklärung — ganz ohne Steuer-Vorwissen.
- Vorteile: Extrem einfach, App-basiert, auch für absolute Anfänger
- Kosten: Kostenlos, wenn keine Erstattung; ca. 40 € bei Erstattung
- Für wen: Smartphone-Nutzer, einfache Steuerfälle
Grundsteuer Digital
Speziell für die Grundsteuererklärung gibt es kostenlose Tools der Länder und von grundsteuerdigital.de.
Die wichtigsten absetzbaren Posten
Werbungskosten (über 1.230 € Pauschale)
- Fahrtkosten: 0,30 €/km einfache Strecke (ab 21. km: 0,38 €)
- Homeoffice-Pauschale: 6 €/Tag, max. 1.260 €/Jahr
- Arbeitsmittel: Computer, Büromöbel, Fachliteratur
- Fortbildungen: Kursgebühren, Fahrtkosten, Übernachtung
- Bewerbungskosten: Porto, Fotos, Fahrt zum Vorstellungsgespräch
Sonderausgaben
- Versicherungen: Kranken-, Pflege-, Haftpflicht-, Unfall-, Berufsunfähigkeitsversicherung
- Spenden: An gemeinnützige Organisationen
- Kirchensteuer
- Ausbildungskosten: Studiengebühren (Zweitstudium als Werbungskosten)
Außergewöhnliche Belastungen
- Krankheitskosten: Zuzahlungen, Brille, Zahnersatz (über zumutbare Belastung)
- Pflegekosten: Für Angehörige
- Bestattungskosten: Wenn sie aus dem Nachlass nicht gedeckt werden
Haushaltsnahe Dienstleistungen
- Handwerkerleistungen: 20 % der Arbeitskosten, max. 1.200 €/Jahr
- Haushaltshilfe, Gartenpflege, Reinigung: 20 % der Kosten, max. 4.000 €/Jahr
Tipp: Sammeln Sie das ganze Jahr über Belege und Rechnungen. Am einfachsten geht das mit einer Schuhkarton-Methode oder einer App wie die kostenlose „SteuerBot Beleg-Scan".
Schritt-für-Schritt: Steuererklärung mit ELSTER
- Konto erstellen auf elster.de (Aktivierung dauert ca. 2 Wochen per Brief)
- VaSt abrufen: Vorausgefüllte Daten vom Arbeitgeber, Krankenkasse etc. übernehmen
- Anlage N ausfüllen: Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit, Werbungskosten
- Sonderausgaben eintragen: Versicherungen, Spenden
- Prüfen und absenden: Elektronisch ans Finanzamt übermitteln
- Bescheid abwarten: In der Regel 4–8 Wochen
Häufige Fehler vermeiden
- Werbungskosten-Pauschale verschenken: Selbst ohne Belege stehen Ihnen 1.230 € zu
- Versicherungen vergessen: Kranken- und Pflegeversicherung sind voll absetzbar
- Handwerkerrechnungen bar bezahlen: Nur Überweisungen werden anerkannt!
- Fristen verpassen: Pflichtveranlagung bis 31. Juli (mit Steuerberater bis Ende Februar des Folgejahres)
Lesen Sie auch unseren Ratgeber zu Finanzthemen für weitere Tipps zum Geld sparen.
Fazit
Die Steuererklärung muss nicht kompliziert sein. Mit kostenlosen Tools wie ELSTER oder günstigen Helfern wie WISO Steuer und Taxfix ist sie in unter einer Stunde erledigt. Die durchschnittliche Erstattung von über 1.000 Euro macht den Aufwand mehr als wett. Fangen Sie an — auch rückwirkend für die letzten 4 Jahre.