Wenn die Temperaturen im Frühling steigen, stellt sich für viele Haushalte die Frage: Wann und wie schalte ich die Heizung richtig ab? Wer zu früh abschaltet, riskiert feuchte Wände und Schimmel. Wer zu spät dran ist, verschwendet wertvolle Energie. Die richtige Strategie beim Übergang von der Heiz- zur Nichtheizperiode kann Ihnen 150 bis 300 Euro im Jahr sparen. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie den optimalen Zeitpunkt finden und Ihre Heizanlage perfekt auf den Sommer vorbereiten.
Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Abschalten?
Die offizielle Heizperiode in Deutschland dauert vom 1. Oktober bis zum 30. April. In vielen Mietverträgen ist dieser Zeitraum festgelegt. Doch das bedeutet nicht, dass Sie bis Ende April durchheizen müssen. Der richtige Zeitpunkt hängt von der Außentemperatur ab.
Die Faustregel für das Abschalten
- Tagsüber konstant über 15 Grad: Sie können die Heizung auf die niedrigste Stufe stellen.
- Tagsüber konstant über 18 Grad: Sie können die Heizung komplett abschalten.
- Nachts nicht unter 10 Grad: Kein Frostrisiko mehr für die Leitungen.
Tipp: Beobachten Sie die Wettervorhersage für mindestens eine Woche. Einzelne warme Tage reichen nicht aus. Erst wenn eine stabile Warmwetterphase angekündigt ist, sollten Sie die Heizung abschalten.
Regionale Unterschiede beachten
Je nach Region und Höhenlage variiert der ideale Abschaltzeitpunkt erheblich:
- Norddeutsche Tiefebene: Mitte bis Ende März
- Rheinland und Südwesten: Anfang bis Mitte März
- Mittelgebirge: Ende März bis Mitte April
- Alpenvorland: Mitte bis Ende April
Heizung schrittweise herunterfahren
Schalten Sie die Heizung nicht von heute auf morgen komplett ab. Ein schrittweises Herunterfahren ist besser für die Anlage und Ihre Bausubstanz.
Der optimale Absenkplan
- Woche 1: Raumtemperatur um 1-2 Grad senken (z.B. von 21 auf 19 Grad). Ersparnis: ca. 12% der Heizkosten in dieser Woche.
- Woche 2: Nur noch morgens und abends heizen, tagsüber Heizung aus.
- Woche 3: Heizung auf Frostschutz (Schneeflocken-Symbol, ca. 6 Grad) stellen.
- Woche 4: Bei stabilen Temperaturen die Heizung komplett abschalten.
Tipp: Jedes Grad weniger Raumtemperatur spart etwa 6% Heizenergie. Wer die Temperatur von 22 auf 20 Grad senkt, spart bei einer durchschnittlichen Wohnung rund 150 Euro pro Jahr.
Thermostatventile richtig einstellen
Die Zahlen auf dem Thermostat entsprechen folgenden Temperaturen:
- Stufe 1: ca. 12 Grad
- Stufe 2: ca. 16 Grad
- Stufe 3: ca. 20 Grad
- Stufe 4: ca. 24 Grad
- Stufe 5: ca. 28 Grad
- Schneeflocke: Frostschutz bei ca. 6 Grad
Stellen Sie im Frühjahr zunächst auf Stufe 2, dann auf Stufe 1, bevor Sie auf das Schneeflocken-Symbol oder ganz abschalten.
Die Heizanlage auf den Sommer vorbereiten
Heizkessel und Brenner warten lassen
Der Frühling ist die ideale Zeit für die jährliche Heizungswartung. Die Vorteile:
- Günstiger Zeitpunkt: Heizungsbauer haben im Frühjahr weniger zu tun und bieten oft 10-15% Rabatt gegenüber der Herbstsaison.
- Optimale Effizienz: Eine gewartete Heizung arbeitet bis zu 10% effizienter.
- Längere Lebensdauer: Regelmäßige Wartung verlängert die Lebensdauer Ihrer Anlage um 5-10 Jahre.
- Kosten: Eine Standardwartung kostet 100-200 Euro und spart langfristig ein Vielfaches.
Heizkörper entlüften
Wenn Heizkörper gluckern oder ungleichmäßig warm werden, ist Luft im System. Das Entlüften ist einfach und kostenlos:
- Werkzeug: Sie brauchen nur einen Entlüftungsschlüssel (Baumarkt, unter 3 Euro) und ein kleines Gefäß.
- Vorgehen: Drehen Sie die Heizung voll auf, öffnen Sie das Entlüftungsventil und lassen Sie die Luft entweichen, bis Wasser kommt.
- Reihenfolge: Beginnen Sie im obersten Stockwerk und arbeiten Sie sich nach unten vor.
- Ersparnis: Entlüftete Heizkörper arbeiten bis zu 15% effizienter. Bei durchschnittlichen Heizkosten von 1.500 Euro sind das 225 Euro Ersparnis pro Jahr.
Tipp: Prüfen Sie nach dem Entlüften den Wasserdruck am Manometer der Heizanlage. Er sollte zwischen 1,0 und 1,5 bar liegen. Ist er zu niedrig, müssen Sie Wasser nachfüllen.
Heizungspumpe im Sommer abschalten
Die Umwälzpumpe verbraucht auch dann Strom, wenn nicht geheizt wird. Bei älteren Modellen sind das 80-150 Euro Stromkosten pro Jahr. Schalten Sie die Pumpe im Sommer ab, sofern sie nicht auch für die Warmwasserbereitung benötigt wird.
- Moderne Hocheffizienzpumpen: Verbrauchen nur 10-20 Euro pro Jahr und regeln sich oft automatisch herunter.
- Alte Pumpen: Ein Austausch kostet 300-400 Euro und amortisiert sich in 2-3 Jahren.
- BAFA-Förderung: Der Pumpentausch wird mit bis zu 20% gefördert.
Schimmel vorbeugen: Richtig lüften im Übergang
Die gefährlichste Zeit für Schimmelbildung ist der Übergang zwischen Heiz- und Nichtheizperiode. Warme Außenluft trifft auf noch kühle Innenwände und kondensiert.
Die richtige Lüftstrategie
- Stoßlüften statt Kipplüften: 3-4 Mal täglich für 5-10 Minuten alle Fenster weit öffnen. Kipplüften verschwendet Energie und fördert Schimmel.
- Querlüften: Öffnen Sie gegenüberliegende Fenster gleichzeitig für maximalen Luftaustausch.
- Schlafzimmer: Morgens nach dem Aufstehen mindestens 10 Minuten lüften, um die Nachtfeuchtigkeit abzuführen.
- Badezimmer: Nach dem Duschen sofort lüften. Die Tür zu anderen Räumen geschlossen halten, damit sich die Feuchtigkeit nicht verteilt.
Luftfeuchtigkeit kontrollieren
Ein einfaches Hygrometer (ab 5 Euro im Baumarkt) hilft Ihnen, die Luftfeuchtigkeit zu überwachen. Optimale Werte:
- Wohnräume: 40-60% relative Luftfeuchtigkeit
- Schlafzimmer: 40-50%
- Badezimmer: kurzzeitig bis 70%, danach schnell ablüften
Bei dauerhaft über 65% Luftfeuchtigkeit steigt das Schimmelrisiko erheblich. In diesem Fall heizen Sie betroffene Räume weiterhin leicht und lüften Sie häufiger.
Warmwasserbereitung im Sommer optimieren
Auch wenn die Heizung aus ist, läuft die Warmwasserbereitung weiter. Hier können Sie ebenfalls sparen:
- Warmwassertemperatur senken: Von 60 auf 50 Grad reduzieren. Einmal pro Woche auf 60 Grad hochheizen, um Legionellen abzutöten.
- Zirkulationspumpe zeitgesteuert betreiben: Lassen Sie die Pumpe nur morgens und abends laufen, wenn tatsächlich warmes Wasser benötigt wird. Ersparnis: 30-50 Euro pro Jahr.
- Duschzeit verkürzen: Jede Minute weniger spart etwa 0,50 Euro. Bei einer 4-köpfigen Familie sind das schnell 100 Euro im Monat.
- Solarthermie nutzen: Wenn Sie eine Solarthermieanlage haben, übernimmt diese im Sommer fast die komplette Warmwasserbereitung. Die Heizung kann dann wirklich komplett abgeschaltet werden.
Checkliste: Heizung winterfest einmotten
Gehen Sie diese Punkte durch, bevor Sie die Heizung für den Sommer abschalten:
- Thermostate auf Frostschutz oder aus stellen
- Alle Heizkörper entlüften
- Wasserdruck prüfen und bei Bedarf nachfüllen
- Wartungstermin mit dem Heizungsbauer vereinbaren
- Umwälzpumpe abschalten (wenn nicht für Warmwasser nötig)
- Heizungsrohre auf Leckagen prüfen
- Heizkörper von Staub befreien (spart beim nächsten Heizstart Energie)
- Thermostatventile auf Stufe 5 stellen und nach einer Stunde zurückdrehen (verhindert Festsetzen über den Sommer)
Tipp: Stellen Sie die Thermostatventile im Sommer regelmäßig einmal im Monat kurz auf und zu. Das verhindert, dass sie festsitzen und im Herbst nicht mehr funktionieren.
Was kostet eine ineffiziente Heizungsübergangsphase?
Viele Haushalte heizen im Frühjahr länger als nötig. Die typischen Kosten:
- Eine Woche zu lange geheizt: 15-25 Euro
- Thermostat dauerhaft auf Stufe 3 statt schrittweise gesenkt: 40-60 Euro Mehrkosten
- Umwälzpumpe den ganzen Sommer laufen lassen: 30-80 Euro
- Keine Wartung durchführen: bis zu 150 Euro höherer Verbrauch in der nächsten Saison
Insgesamt können Sie durch richtiges Verhalten im Übergang 150 bis 300 Euro jährlich einsparen.
Fazit: Der richtige Übergang spart bares Geld
Das Abschalten der Heizung im Frühjahr ist mehr als nur ein Handgriff am Thermostat. Mit einer durchdachten Strategie aus schrittweisem Herunterfahren, rechtzeitiger Wartung, korrektem Lüften und Sommervorbereitung sparen Sie 150 bis 300 Euro im Jahr. Nutzen Sie die wärmere Jahreszeit, um Ihre Heizanlage warten und optimieren zu lassen. So starten Sie im Herbst mit einer effizienten Anlage in die neue Heizsaison und profitieren von niedrigeren Kosten.